„Zu dumm zum abschieben“

Heute zynische Frage der BILD auf dem Frontcover, die mich sprachlos macht: „Sind wir zu dumm zum Abschieben?“.

Ich würde als Antwort sagen: ja, ihr „Abschiebefreunde“ seid „dumm“, aber im Sinne von globalgeschichtlich ungebildet und dadurch auf eine „deutsche privilegierte Perspektive“ abonniert. Bildung hilft einem da oft weiter, den eigenen Horizont zu erweitern.

Euer gefühlter „Mangel an Abschiebefähigkeit“ zeigt aber vor allem, dass es Euch an zwischenmenschlicher Empathie mangelt. Für mich sind Fragen wie „sind wir zu dumm zum abschieben?“ Ausdruck einer zynisch-kalten, rassistischen Haltung. Jeden Tag sterben Leute im Mittelmeer, werden Familien, Freund*innen durch eine passiv-aggressive europäische Grenzpolitik umgebracht.

In diesem Prozess eine positive politisch-bürokratische Kompetenz darin zu sehen, Leute nach der lebensgefährlichen Überquerung des Mittelmeers „richtig abzuschieben“, d.h. Leute in Unsicherheit, Krieg, Tod, Vergewaltigung und Hunger zurückzuschicken, entbehrt jeder humanistischen, menschenrechtlichen, internationalistischen oder solidarischen Grundlage.

Es ist der schlichte Glaube an die Richtigkeit der eigenen privilegierten Existenz, der so einen deutsch-nationalen Schwachsinn entstehen lässt. Kombiniert mit dem in der deutschen, politischen Kultur tief verankerten Glauben an die immanente Richtigkeit bürokratischer Prozesse, der auch schon den Holocaust und die „Banalität des Bösen“ begünstigt hat, entstehen einfache Fragen mit brutaler Schlagkraft.

Um es klar zu sagen: das individuelle Glück der refugees ist wichtiger als Euer Glaube an den „fairen“, kapitalistischen Wettbewerb neoliberaler Subjekte, Eure plumpe Absicherung westlich-europäischer Privilegien, Eure bürokratische Eitelkeit und Eure homogen-imaginierte, nationalstaatlich verfasste und repressiv abgesicherte Grenzordnung.

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